• Christine Gumsheimer

    Christine Gumsheimer

    Geburtsdatum, Geburtsort: 3. Juni 1887, Trier

    Todesdatum, Sterbeort: 11. Oktober 1944, Hadamar

    Beruf: Modistin

    Christine Gumsheimer wurde am 3. Juni 1887 in Trier als Tochter von Ferdinand Gumsheimer und Maria Gumsheimer, geb. Dumont, geboren. Hier lebte die Familie in der Liebfrauenstraße 4. Christine wuchs in Frankfurt am Main, in der Wittelsbacher-Allee 15 bei ihren Eltern auf. Über ihre Kindheit und Jugend gibt es jedoch kaum Informationen. Laut den Akten erlernte Sie den Beruf Modistin (Hutmacherin) jedoch ist unklar, inwieweit sie diesem Beruf nachging.

    Am 9. November 1921 stellte das Wohlfahrtsamt der Kreisstelle Ostend in Frankfurt am Main einen Antrag auf Unterbringung von Christine Gumsheimer in der Heilerziehungsanstalt Kalmenhof (Calmenhof) in Idstein. Grundlage dieses Antrags war eine vorhergehende Diagnose von Dr. Lade, der Christine als „hochgradig schwachsinnig“ einstufte und angab, dass ihr Verbleib in der Familie mit „Gefahren verknüpft“ sei. Am 13. Januar 1922 folgte die Aufnahme von Christine in der „Idiotenanstalt Idstein“ (Kalmenhof/Calmenhof). Christine war zu dem Zeitpunkt 34 Jahre alt. Während ihrer Unterbringung in Idstein erkundigte sich die Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau mehrmals bei der Heilerziehungsanstalt Kalmenhof, über den Zustand der „Erwerbsbeschränkung“ von Christine Gumsheimer. Die Anstalt antwortete auf eine der Nachfragen wie folgt: „Frl. Christine Gumsheimer, geb. 3.Juni 1887 befindet sich noch in Pflege und Behandlung der hiesigen Anstalt. Die Erwerbsbeschränkung beträgt 100%.“

    Christine war bis Februar 1942 in der Anstalt in Idstein untergebracht. Zwischendurch wurde ihr, auf Antrag ihrer Schwester Alma Boewing, geb. Gumsheimer, eine Beurlaubung gestattet, wonach Christine einige Tage bei ihrer Schwester verbringen konnte. Alma besuchte mehrmals ihre Schwester in Idstein und erkundigte sich häufig per Brief an die Anstaltsleitung über den Zustand von Christine. In einem der Schreiben von Alma an die Anstalt berichtete sie über den Tod ihres Vaters kurz vor Weihnachten. Die Beurlaubungen von Christine seitens der Anstalt endeten mit dem Inkrafttreten des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14. Juli 1933. So wurde einen Antrag von Alma zur Beurlaubung ihrer Schwester im März 1934 abgelehnt. Begründet wurde die Ablehnung mit dem genannten Gesetz.

    Zwischen Februar und März 1942 folgte die Verlegung von Christine in die Landesheilanstalt Weilmünster. Hier wurde sie bis September 1944 untergebracht. In ihrer Krankengeschichte aus Weilmünster sind einige Einträge, die Christines Zustand als „schwachsinnig“ beschreiben. Es gibt aber auch Einträge, die angeben, Christine würde sich wohl fühlen und bei Haus- und Näharbeiten helfen. „19.11.43: Fühlt sich ganz wohl, hilft bei Haus- und Näharbeiten, gibt an, dass sie jahrelang in Idstein war […] wie eingesperrt, redet sehr viel“.

    Im September 1944 wurde Christine nach Hadamar verlegt. Christine Gumsheimer starb am 11. Oktober 1944. In ihrer Patientenakte wird folgendes über ihren Tod geschrieben: „Heute Exitus an Marasmus“. Die Verlegung nach Hadamar und der Eintrag zu ihrem Tod deuten darauf hin, dass Christine den Patientenmorden der Nationalsozialisten zum Opfer fiel. Das Datum ihres Todes zeigt an, dass Christine im Rahmen der sogenannten „dezentralen Euthanasie ermordet wurde. Die angegebenen Todesursachen der Opfer wurden in den meisten Fällen gefälscht, die Opfer wurden meist durch bewusstes Verhungern lassen oder durch medikamentöse Überdosierung ermordet.

    Christine Gumsheimer wurde 57 Jahre alt.

    Quellen: Archiv des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen (LWV), K12, Nr. 2706; Stadtarchiv Trier (StATr), Tb31/582, Nr. 301/1887.

    Literatur: Kaminsky, Uwe: Sterilisation und NS- „Euthanasie“. Marginalisierung und Notstandsdenken, in: Osterloh, Jörg/Schulte, Jan Erik (Hrsg.): „Euthanasie“ und Holocaust. Kontinuitäten, Kausalitäten, Parallelitäten, Paderborn 2021, S. 111-136.

    Abbildung: LWV, K12, Nr. 2706.

    Autor:in:  David Justino Vaz

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