Geburtsdatum, Geburtsort: 23. September 1906, Trier
Todesdatum, Sterbeort: 27. Februar 1941, Hadamar
Beruf: unbekannt
Josef Nikolaus Leonartz wurde am 23. September 1906 in Trier als Sohn von Jakob Leonartz, einem Schlosser beim städtischen Tiefbauamt Trier, und Josephine Leonartz, geborene Mees geboren. Wohnhaft war die Familie in der Örenstraße 14 in Trier.
In den Akten der Stadtverwaltung Trier wurde Josef als taubstummes Kind geführt, das zur Beschulung in eine der Provinzial-Taubstummen- und Kinderanstalten der Rheinprovinz untergebracht wurde. Josef wurde im Alter von sieben Jahren im St. Vincenzstift Aulhausen in Rüdesheim am Rhein untergebracht. Den städtischen Akten ist zu entnehmen, dass es sich hierbei um eine Anstalt zur Unterbringung „taubstummer und idiotischer Kinder“ handelte. Josef hatte früh mit unterschiedlichen Krankheiten zu kämpfen. Im St. Vincenzstift wurde ihm eine „angeborene Imbezillität“ diagnostiziert. Heute würde man hierbei von einer Intelligenzminderung sprechen. Hinzu kam eine Rhachitis, die eine gestörte Mineralisation der Knochen und eine Störung der Wachstumsfugen zur Folge hatte. Josef besuchte ab April 1914 die dortige Vorschule. Im Juni 1914 wurde Josefs Vater zum Kriegsdienst einberufen. Er verstarb am 2. Juni 1918.
In halbjährlichen Berichten wurde seine geistige und körperliche Verfassung dokumentiert. Der zu diesem Zeitpunkt Siebenjährige wurde als verträgliches und geselliges Kind bezeichnet, das jedoch Lernschwierigkeiten und Sprachprobleme hatte. In den Jahren 1915 bis 1917 hatte Josef mit verschiedenen Hautkrankheiten zu kämpfen, die ihn in seiner körperlichen Verfassung schwächten.
Aus einem Brief des Oberbürgermeisters der Stadt Trier vom 21. März 1921 geht hervor, dass Frau Leonartz finanziell nicht in der Lage war, für die Kommunion ihres Sohnes aufzukommen.
Zwei Jahre später wurde er am 15. März 1923 vom Schulbesuch ausgeschlossen, da in seinem Verhalten und in seiner Entwicklung keine Veränderungen mehr festgestellt wurden. Ein weiterer Schulbesuch wurde von nun an als zwecklos beschrieben.
Am 27. Juni 1927 wurde Josef Nikolaus Leonartz mit fast 21 Jahren aus dem St. Vincenzstift Aulhausen entlassen. Dort arbeitete er die vergangenen vier Jahre in der Bürstenmacherei und ging Tätigkeiten in der Hausarbeit nach. Ab diesem Zeitpunkt sind keine weiteren Einzelheiten zu seiner Person mehr bekannt. Es folgte eine Verlegung in die Landesheilanstalt Weilmünster. Die vorliegenden Unterlagen weisen zwischen seiner Entlassung aus dem St. Vincenzstift und seiner Ermordung keine genaueren Informationen auf. Eine dokumentarische Lücke von 14 Jahren liegt vor.
Seine Diagnose lautete „Taubstummheit“. Von Weilmünster gelangte er am 27. Februar 1941 durch einen der Todestransporte nach Hadamar. Josef Nikolaus Leonartz fiel im Alter von 34 Jahren im Rahmen der „T4-Aktion“ dem systematisch betriebenen Patientenmord in Hadamar zum Opfer.

Quellen: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (HHStAW), Personenstandsregister Sterberegister, Signatur: 1975; Stadtarchiv Trier (StATr) Tb19/700; StATr Tb31/573.
Autor:in: Nico Becker